Leseprobe - BESSER LEBEN

„ICH KOCHE MIT GESCHMACK! “ Koch Marc Härtwich über Enthusiasmus am Herd, französische und italienische Küche und mutiges Abschmecken Herr Härtwich, wie haben Sie Ihre Koch- Leidenschaft entwickelt? Nachdem ich bereits einige Jahre als Versicherungsvermittler tätig war, habe ich von 2003 bis 2006 in Mannheim noch Betriebswirtschaft studiert. Damals habe ich in einer WG gelebt und diese auch verpflegt. Am Anfang habe ich zum Kochen noch viele Fertigmischungen verwendet, aber von Woche zu Woche habe ich immer mehr auf Geschmacks- verstärker verzichtet. Nach einfachen Gerichten folgten ganze Menüs, die ich zunächst nur für Freunde gekocht habe. Wie ging es dann weiter? Nach dem Studienabschluss habe ich parallel zu einer Generalagentur für Ver- sicherungen einen Veranstaltungsservice gegründet und in Erfurt einmal im Mo- nat große After-Work-Partys organisiert. Meine Büfetts gingen und gehen über Schweinekrustenbraten und Sauerbra- ten mit Klößen und Rotkohl hinaus. In meiner kreativen, leichten Küche gibt es eher so etwas wie handgebeizten Lachs und Kurzgebratenes, ein Teil ist auf Wunsch auch gern vegan. Das sprach sich herum, und so wurde ich als Caterer in Modegeschäften oder Autohäusern gebucht. Im April 2018 habe ich einen eigenen Laden namens „marc-kocht“ eröffnet. Hier biete ich Kochschulen Menü-Abende und buchbare private Ver- anstaltungen an. Dieses Angebot wird auch sehr gut angenommen. Was zeichnet Ihre Kochschule aus? Ich biete vier verschiedene Seminare mit unterschiedlichen Schwerpunkten an. Beim Fleisch-Seminar verwende ich etwa kein Rinderfilet oder kein Hüft- stück, sondern B-Cuts aus anderen Tei- len des Tiers, die nicht jeder kennt, aber die sich dennoch zu verarbeiten lohnen. Die komplette Verarbeitung des Tiers wird beim Fleisch-Seminar besonders großgeschrieben – und so vermittle ich auch die verschiedenen Garmethoden. Gewisse Teile muss man lang und bei viel Hitze schmoren, gewisse Teile kurz braten, wieder andere Teile eignen sich fürs Sous-vide-Garen. Von welcher Küche lassen Sie sich dabei inspirieren? Mein Stil vereint die französische und die italienische Küche miteinander. Das sind zwei konträre Arten zu kochen. Die französische Küche ist sehr kom- plex und feingliedrig und die italienische Küche sehr rustikal und einfach. Die Italiener achten aber sehr auf hochwer- tige Zutaten, die gute Aromen hinein- bringen. Da bekommt man drei Kompo- nenten auf den Teller – und die sind alle hervorragend und lecker. Leider ist Ihr Team imViertelfinale ausgeschieden. Es sollte eine „Falsche Prinzregententorte“ zubereitet werden. Bei der Auslosung kommentierten Sie das Gericht: „Schönes Thema. Ichmuss noch gucken, wie ich Power, Bums und Geilheit reinbekomme.“ Ist das Ihr generelles Credo beimKochen? Ja, das sagen auch meine Freunde und alle, die bei mir essen. Bei mir hat immer alles Geschmack. Natürlich gebe ich den Zutaten auch den Raum, sich zu entfalten – wenn ich etwa eine Gur- ke verarbeite, muss man auch Gurke schmecken. Aber das lasse ich nie ganz alleine stehen. Ich versuche immer, den Geschmack tiefer und kräftiger zu ma- chen. Ich bin beim Abschmecken sehr mutig und arbeite mit vielen frischen Kräutern, die nicht nur begleitend sind, Marc Härtwich hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Der studierte Versiche- rungswirtschaftler kocht gewöhnlich ohne Rezept und überrascht immer wieder mit originellen kulinarischen Ideen. Im April 2018 eröffnete er mit „marc-kocht“ einen eigenen Laden in Erfurt. Uns verrät der 41-Jährige, was gutes Essen ausmacht – und das lässt das Wasser imMund zusammenlaufen. Zur Person FOTOS: PROSIEBENSAT1 TV DEUTSCHLAND GMBH Interview: Lutz Granert SPEZIAL MESSE AUSSTELLER 22 BESSER LEBEN 3/2018 S

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