25 Jahre Medienkompetenz

MEDIENGRUPPE THÜRINGEN Zeitung lesen wie Harry Potter Interview mit Michael Tallai, dem Geschäftsführer der Mediengruppe Thüringen Von Nils R. Kawig Seit Juni 2015 hat Michael Tallai in der Mediengruppe Thüringen das Sagen. Er ist Geschäftsführer des Thüringer Verlages und mit ganzer Kraft dabei, das Unter- nehmen weiterzuentwickeln. Herr Tallai, wir feiern 25 Jahre Druckhaus.Was habenSie 1994 gemacht, als der damaligeBun- deskanzler Helmut Kohl in Erfurt- Bindersleben dieDruckmaschinen inGang setzte? Da habe ich studiert. Daswar der zweite Teil meines Journalistik- studiums in Bamberg, und ich steckte mitten in der Diplom- vorbereitung. War es Ihr Karriereziel, Verlags- geschäftsführer zuwerden? Das war immermeinZiel. (lacht) Aber selbst, wenn das nicht abseh- bar gewesen ist, sindSie trotzdem hier gelandet.WarumhabenSie sich für dieMediengruppe Thürin- gen entschieden? Das ist eine längere Geschichte. ErzählenSie! Ich habe schon einmal, bevor ich hier anfing, in Erfurt gearbeitet – und zwar in den Jahren 1992/ 1993. Da war ich für die damali- ge Nachrichtenagentur ADN, aus der dann später DDP und DAPD geworden ist, als Land- tagskorrespondent tätig. Zu die- sem Zeitpunkt habe ich auch meine Frau kennengelernt. Wir sind dann irgendwann zusam- mengekommen, haben eine Fa- milie gegründet, aber ich musste beruflich nach Frankfurt/Main. Dort bekam ich dann über einen Headhunter das Angebot, nach Erfurt zu gehen. Er wusste nichts davon, dass ich in Erfurt wohne. Es war also in jeder Hinsicht ein Sechser imLotto. Sie haben als Verlagsleiter ange- fangen. Ja, 2014 war ich zunächst Ver- lagsleiter für die TA. Erst später wurde ich gefragt, ob ich Ge- schäftsführer werdenmöchte. Was hat dieMediengruppe als Arbeitgeber für Sie attraktiv ge- macht? Nun ist die Branche nicht ganz einfach. Es ist ja bekannt, dass Tageszeitungen seit vielen Jah- ren Auflage und Anzeigenumsät- ze verlieren. Das ist natürlich erst einmal kein positives Um- feld, sollte man meinen. Das se- he ich aber genau anders. Weil man hier die Möglichkeit hat, neben dem Stammgeschäft, Neues zu entwickeln. Ich finde, das ist extrem spannend, wenn man auf der kaufmännischen Seite tätig ist und sich ausprobie- ren kann, um den Verlag breiter aufzustellen. Einige Dinge da- von funktionieren nicht, andere funktionieren gut, man tauscht sich sehr eng aus mit anderen Verlagen. Das finde ich nach wie vor extrem spannend. Erst war es die Zeitungsgruppe, jetzt ist es dieMediengruppe Thü- ringen.Was ist Ihre Vision für die- sesUnternehmen? Es hatte ja damals einen Grund, weshalb man aus der Zeitungs- gruppe nach 20 Jahren eine Me- diengruppe gemacht hat: weil man nämlich dokumentieren wollte, dass es eben nicht nur die Tageszeitungen und gedruckte Inhalte gibt. Diese sind nach wie vor unser Kerngeschäft. Und ich glaube, das wird auch noch über viele Jahre so bleiben. Aber wie gerade schon erwähnt, müssen wir uns weiterentwickeln, wir müssen neue Märkte besetzen, wir müssen neue Angebote ma- chen, wir müssen digitaler wer- den. Wir müssen Angebote für junge Menschen machen, die vielleicht noch nichts mit der Ta- geszeitung zu tun hatten, um sie dann später zur Tageszeitung zu bekommen. In dieser Richtung, denke ich, wird es hier auch wei- tergehen. WasmeinenSie, wennSie sagen, wirmüssen digitaler werden? Zwei Aspekte sind mir wichtig: Das eine ist – inzwischen kein Geheimnis mehr –, dass Druck undZustellung für uns sehr teuer geworden sind. Da würde es hel- fen, wenn wir mehr E-Paper und ähnliche Angebote im Markt platzieren könnten, die ich nicht drucken und zustellenmuss. Wollen das Ihre Leser? Uns ist klar, dass wir die Stamm- leserschaft nicht von heute auf morgen dazu bewegen werden, auf E-Paper umzustellen. Von daher werden wir weiter dru- cken. Die andere Seite ist, dass jungeMenschen ein anderesMe- diennutzungsverhalten haben – und das ist in erster Linie ein di- gitales. Da haben wir, glaube ich, noch nicht genügend Angebote, um sie zu erreichen. WelchesGeschäftsfeldwürdenSie gernemit derMediengruppe Thü- ringen zusätzlichbesetzen? Ich würde erst einmal die Ge- schäftsfelder weiterentwickeln und ausbauen, in denen wir im Moment tätig sind. BeimStamm- geschäft haben wir genügend Baustellen, um die wir uns küm- mern müssen. Und die Nebenge- schäfte, Zusatzgeschäfte, neuen Geschäfte müssen wir konsoli- dieren und darin erfolgreicher werden. Dazu zähle ich Messen, Sportvermarktung, Ticketshop, Magazine. Es wäre ein Fehler, wenn wir jetzt etwas komplett Neues aufmachen würden. Das würde das Haus überfordern. Wir haben eingangs über das Jahr 1994 gesprochen. Das ist 25 Jahre her.Wiewird dasUnternehmen nachweiteren25 Jahren ausse- hen? Ich habe immer ein Problem mit Prognosen in die Zukunft. Ich kann nicht in die Glaskugel schauen. ProbierenSie es bitte! Ich wurde kürzlich gefragt, was in fünf Jahren sein wird. Auch da habe ich mich geweigert, etwas dazu zu sagen. Ihre Prognose bitte! 25 Jahre sind ein extrem langer Zeitraum. Ich glaube nach wie vor, dass gedruckte Tageszeitun- gen und Anzeigenblätter eine Zukunft haben. Ich glaube, die- ses Unternehmen wird es auf je- den Fall geben als Medienhaus, wie auch immer Medien in 25 Jahren aussehen werden. Und ich glaube, das Haus wird auch in 25 Jahren in diesem Land so- wohl als Arbeitgeber als auch als Medium, das den gesellschaftli- chen Diskurs voranbringt, eine große Bedeutung haben. Sie sind ein technikaffiner Mensch, Herr Tallai.Wie stellen Sie sichdie Zeitungder Zukunft vor? Ich würde ganz gerne sehen, was seit mindestens 20 Jahren für die Zeitungsbranche angekündigt wird – die sogenannteHarry-Pot- ter-Zeitung. Das heißt? Ich habe ein flexibles, rollbares, faltbares Display, auf dem sich die Inhalte automatisch aktuali- sieren. Das verbindet die Vortei- le einer gedruckten Tageszei- tung mit einem elektronischen Medium. Seit 20 Jahren wird das angekündigt, aber ich habe es bis heute nicht gesehen. DieHarry-Potter-Zeitung aus der Mediengruppe Thüringen– täglich neu produziert. Das Gerät, oder was auch immer es sein sollte, wird natürlich nicht immer neu produziert. Aber es wird beliefert mit immer neuen Inhalten. Michael Tallai ist seit Juni 2015Geschäftsführer derMediengruppe Thüringen (MGT). FOTO:PAUL-PHILIPPBRAUN - IN DIESER AUSGABE - Hauptgeschäft: Lokaljournalismus Gespräch mit TA-Chefredakteur Jan Hollitzer über die Zukunft der Zeitung und die Chancen der Digitalisierung Seite 7 Ein Tag im Medienhaus Von der Idee bis zum fertigen Produkt sind es viele Schritte. Eine Grafik zeigt schematisch einen Tag in der Redaktion Seite 8 Das Gespür für Papier Wie aus vielen Daten und Informationen eine Zeitung wird: Ein Besuch im Druckzentrum der Mediengruppe Thüringen Seite 9 Zukunft in der Medienbranche Die Mediengruppe bildet aus und erweitert ihr Ausbildungs- portfolio im Druckzentrum ab August um den Mechatroniker Seite 14 TCWO_3E 3

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